Amateurfilmkritik.de

Sechs Uhr einundzwanzig

Autor: Carl-Friedemann Kästner | 22. Februar 2010

Gedreht 2010; MIME factory und Interwave Pictures; 9 Minuten
mit Johannes Heizmann, Jonas Fuchs, Daniel Käser und Alexandra Ueber
Ein Film von Daniel Laufer

Bewertung des Autors ★★★★½

Es gibt Filme, die kommen mit dem grundlegendsten aus. Die brauchen kein aufgeputschtes Effektespektakel, was es dem Zuschauer immer schwerer macht eine eigene Fantasie zu entwickeln. Solche Filme sind meistens die besseren, weil man sich auf das wesentliche konzentriert hat und in Anbetracht der fesselnden Handlung sich auch der Zuschauer auf das wesentliche konzentriert, und kleine Fehler ausblenden kann.

Genau solch ein Film ist “Sechs Uhr einundzwanzig”. Die Handlung setzt während der morgendlichen Autofahrt eines Mannes (Johannes Heizmann) zu seiner Arbeit ein. Alles scheint normal zu sein bis urplötzlich eine Gestalt auf der Fahrbahn erscheint und der Mann hart bremsen muss…

10cnl3nDie weitere Handlung ist äußerst gekonnt umgesetzt, so dass man nie den Faden verliert aber dennoch immer wieder überrascht wird. Am Ende des Films braucht man erst mal ein Stück bis sich die Handlung erschließt und selbst dann eröffnet einem der Stoff noch neue Gedankengänge.

Da der Film nun nicht gerade von Dialogen lebt erwartet man an der einzigen Stelle, an der es dazu kommt natürlich etwas aufschlussreiches und wichtiges. Doch man wird enttäuscht. Man kann zunächst gar nichts mit dieser Konservation zwischen dem Fahrer und dem merkwürdigen Fremden (Jonas Fuchs) anfangen. Doch auch dieser Dialog ist durchdacht und kann am Ende des Films seinen Sinn entfalten und überzeugen, trotz der Tatsache dass die Passagen des Fahrers etwas hölzern sind.

Die schauspielerische Leistung ist durchschnittlich. Der Fahrer spielt fast durchgängig wirklich solide, außer in der Dialogszene. Der Fremde dagegen kann nicht so ganz überzeugen und gibt dem Film einen Hauch Albernheit, der völlig Fehl am Platz zu sein scheint.

Die Kamera ist im Großen und Ganzen recht gut gelöst, wvp8cnmas sie natürlich auch den tollen Kulissen zu verdanken hat. Aber hin und wieder wackelt sie dann doch etwas zu viel und geht dadurch auch mit dem Schnitt nicht immer Hand in Hand. Denn dieser ist von relativ vielen Blenden geprägt und wenn wackelige Bilder in statische Bilder blenden, ergibt das meistens einen etwas unsauberen Eindruck. Ein weiteres, kleines Manko an der Kamera ist die offensichtlich verwendete Automatik. So kommt es hin und wieder zu Bildpumpen und einige Szenen sind etwas zu dunkel.

Die Farbkorrektur wiederrum ist sehr gelungen. Sie unterstreicht wunderbar die morgendliche Stimmung und schafft zusammen mit der absolut passenden Musik (von Nine Inch Nails – “Ghosts”) dadurch eine absolut authentische Atmosphäre.

Auch die relativ behutsam eingesetzten Effekte können fast durchweg überzeugen, abgesehen von einigen Aufnahmen mit künstlicher Schärfentiefe die dem Betrachter dann doch unmittelbar ins Auge springen.

Fazit: “Sechs Uhr einundzwanzig” ist ein absolut gelungener Kurzfilm, dem es wirklich nur an Kleinigkeiten mangelt und der vieles besser macht als einige der technisch hochwertigeren Amateurfilme.


YouTube Direkt

Deine Meinung:

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (4 Bewertung(en), Durchschnitt: 3.50 von 5)
Lädt ... Lädt ...

Eine Antwort hinterlassen

Powered by WordPress. Design entwickelt mit dem WordPress Theme Generator.
Copyright © Amateurfilmkritik.de. All rights reserved.